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2012 Treppenlauf im Kölnturm

Geschrieben August 2021


Es war einmal, vor langer, langer Zeit. Genauer gesagt vor neun Jahren, 2012. Ich war jung und unbeschwert, die Sonne schien den ganzen Tag, es war Demokratie und Rechtsstaat und von Corona hatte noch niemand gehört. Weil ich aus familiären Gründen grade keine Marathons oder gar Ultras laufen oder trainieren konnte, wollte ich den schnellen Kick: Treppenlauf im Kölnturm.

Im Kölnturm habe ich von 2007 bis 2009 sehr viel trainiert, weil meine damalige Firma dort ein Büro mit Dusche hatte. Ich bin gelegentlich in der Mittagspause auf zwei, oder sogar drei Runden in das Treppenhaus vom Kölnturm gegangen. Und vor dem UTMB habe ich einige Nächte dort verbracht.
Für diese Nächte habe ich mir ein Kartenspiel mit genommen und jedes mal eine Karte von unten nach oben gebracht, denn ob ich schon 27 oder erst 26 Runden hatte: wer kann sich das merken? Das Treppenhaus vom Kölnturm ist mitten im Gebäude und aus dickem Beton. Kein Handy-Empfang. Und man kommt zwar von allen Etagen IN das Treppenhaus, aber nur ganz unten im Erdgeschoss wieder raus. Und damit der Hausmeister nicht merkt, dass mitten in der Nacht jemand im Treppenhaus rum läuft, mache ich das Licht nicht an, sondern laufe mit Stirnlampe. Rauf und runter, immer wieder. Mir ist klar, wenn ich hier stolpere, wird mich niemand finden und ich kann niemand anrufen: ich muss dann unter allen Umständen bis ins Erdgeschoss runter. Deshalb habe ich vorher zu hause bescheid gesagt, wann ich wieder draußen sein will und ab wie viel Uhr der Notruf alarmiert werden soll, wenn ich mich dann nicht melde. Dieses Training war einer der Schlüssel zu meinem Erfolg beim UTMB.

Und 2012 stehe ich wieder vor dem Kölnturm. Ein anderes Leben. Allein-Erziehender Vater im Teilzeit-Job statt junger Stern am Kariere-Himmel. Schlecht trainiert und mit zwei Kids im Schlepptau am Start. Aber gut gelaunt und immer noch vor irrem Ehrgeiz brennend.

Es wird im Abstand von einigen Sekunden gestartet, damit kein Gedränge entsteht. Noch drei Läufer, noch zwei. Die haben Stöcke, super Ausrüstung und fachsimpeln über hartes Bergtraining. Außerdem sind sie viel jünger als ich. Ich beneide sie. Ich werde sie besiegen. Eins. Los.

Ich renne sofort von der Startlinie an wie ein Irrer Richtung Treppenhaus. Rein. Sofort ist wieder dieses Gefühl von damals da. Ein ernstes Training. Kein Spaß, sondern Ernst. Körper und Geist werden zu einer Einheit, Wille, Entschlusskraft, Konsequenz. Ich renne die Stufen hoch. Gut 140 Höhenmeter auf über 700 Stufen erwarten mich. Ich brenne. Es gibt hier keine Taktik, kein „erst mal langsam“, kein Kräfte-Sparen. Es ist sofort Endspurt und alles muss sofort verbrannt werden. Bei Etage 15 überhole ich den Läufer, der vor mir gestartet ist. Meine Lunge brennt, mein Herz brennt, mein Atem pfeift: schneller. Ich will, ich muss den Läufer davor auch noch schlagen. Ich höre ihn schon vor mir. Auf jeder Etage eine 180-Grad-Kuve. Endlich sehe ich sein Hacken, bevor ich um die Ecke komme. Als ich auf die nächsten Ebene komme, ist er noch fünf Stufen von seiner entfernt. Und dann bin ich dran. Er will mich nicht vorbei lassen, macht keinen Platz, kämpft. Aber er kämpft vergeblich: ich überhole mit Drei-Stufen-Sprüngen und ziehe nach innen: vorbei. Und OOOOOOBEN! Der Lauf endet auf der 39. Etage, obwohl das Haus 42 hat. Das ging schnell!

Ich breche keuchend auf den Matten zusammen, ringe verzweifelt nach Luft. Pfeifen in den Ohren, rote Ringe tanzen vor meinen Augen. Absolutes Limit.

Aber schon nach ein paar Sekunden stehe ich wieder auf und schleppe mich zum Aufzug: ich will und darf die Kids unten nicht alleine lassen. Da ich für die Strecke nur 5:35 mm:ss gebraucht habe, bin ich entsprechend schnell wieder unten. 5:35! Nachher werde ich sehen, es ist der 14. Gesamt-Rang. Und das ohne Training. Das ist gut!

Fazit: geiles Gefühl, gleich mit dem Endspurt anzufangen.



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