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Al Bogenhuber - In ultrarunning, the pain is inevitable, but the suffering is optional

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2019 - KILL50

Geschrieben November 2019



Der Kill50 ist ein 50Meilenlauf im Hildesheimer Bergland. Also selbe Gegend wie der Stunt100, und der Eisenzwerg. Und er hat einen gradezu legendären Ruf in Läuferkreisen. Nicht nur wegen der einzigartigen Prosa, die Michael in seine Einladungs-Mails schreibt, sondern auch wegen der speziellen Anmelde-Methode. Man muss per Postkarte um eine Einladung bitten und, falls man eingeladen werden sollte, muss man zum Start eine Spezialität aus der Heimat (Kölsch) und drei Scheite Holz für den Kamin mitbringen. Dann darf man 50 Meilen auf kleinen Trails durch die Noverber-Nacht machen.

Der Start ist um 17:00 in der letzten Abenddämmerung und bald darauf schalten wir die Stirnlampen ein. Die Strecke ist erst mal öde: ein paar Kilometer vom Start zum nächsten Bergland über die Felder. Dann geht es rauf auf den Tosmar-Berg mit seinem markanten Funkturm, dessen rote Lichter durch die Nacht glimmen. Eigentlich bin ich davon aus gegangen, dass ich erst bei Kilometer 28 an einen VP komme, aber Michael hat beim Briefing gesagt, dass es eine zusätzliche Wasser-Stelle bei Kilometer 11 geben würde. Nach dieser Info habe ich erst mal meine Flaschen wieder leer gemacht, denn für 11 Kilometer brauche ich nichts zu trinken. Nur: bei Kilometer 11 war nichts außer Wald!


Schild zum Start - Dämmerung - Ab in den Wald


Ich war mit drei anderen fitten Jungs unterwegs, die die Strecke alle aus den Vorjahren schon kannten und auf das Finish heiß waren. Natürlich wussten die, dass die Wasser-Stelle erst bei Kilometer 17 kommt. Brr. Jetzt laufen wir über den Höhenkamm oben auf dem Tosmarberg. Echt knall Waldig! Traumhafter Trail. Viel zu warm für die Jahreszeit, so dass ich im T-Shirt noch schwitze, aber wirklich traumhaft. An Stellen, wo wir aus dem Wald über die Landschaft schauen können, sehen wir leuchtende Dörfer unter uns. Das wirkt fast schon Weihnachtlich, wenn's nicht so warm wäre. Aber der Wald riecht herbstlich und überall sind die gefallenen Blätter und Pilze. Also noch Herbst, kein Winter. Und soooo schön!

Bei Kilometer 17 kommt endlich die ersehnte Wasser-Stelle. Ein Mann mit seinem Auto am Weg. Es gibt neben Wasser und Cola auch Domino-Steine. Ich trinke gierig und esse auch etwas. Die Männer, mit denen ich unterwegs bin, sind alle offensichtlich viel fitter als ich. Das Tempo kommt mir zwar ganz gemütlich vor und ich würde in jeder Minute sicher gerne noch viel schneller laufen, aber es saugt mir doch die Kraft aus. Jetzt rächt es sich, dass ich keinen Tom wie beim Stunt100 habe, der mich immer wieder beharrlich runter bremst. Oder wenn Markus bei mir wäre. Mit dem habe ich damals sogar die Brocken-Challenge geschafft, obwohl ich viel schlechter trainiert war als heute! Warum? Weil wir einfach viel viel langsamer unterwegs waren!


Wunderbare Ausblicke - Tosmarberg (glaub ich) - unterwegs


Jetzt laufen wir wieder einige Kilometer zurück zu dem Bergland, in dem Start und Ziel liegen. Flache Felder mit kräftigem Gegenwind. Brrr. Ich lerne von einem der Mitläufer, ein echtes Nordlicht: "Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben!" Ok, weißte bescheid. Am Rand des nächsten Waldrücken liegt im Ort Heinum der zweite VP. Ich bin schon ziemlich müde und erschöpft. Das hohe Tempo fordert seinen Tribut. Ich würde gerne erst mal länger sitzen bleiben und pause machen. Aber auf der anderen Seite habe ich Angst davor, alleine durch den Wald zu müssen und trabe dann doch mit der Gruppe los.


1. VP bei Km17 - 2. VP bei Km 28


Die zu kurze Pause ist dann zusammen mit dem zu hohen Tempo der zweite große Fehler. Am Berg gehen mir die Kräfte aus. Setzen. Hinsetzen. Außerdem ist mir schlecht, weil ich am VP viel zu hastig getrunken habe. Ich verabschiede meine Begleiter und überlege, ab zu brechen. Da kommt schon die nächste Gruppe, die sich Sorgen um mich machen. Mmmm es geht mir schlecht, aber eigentlich würde ich das lieber mit mir selber ausmachen. Aber einer der Läufer hat schon beim Orgateam angerufen und meinen Abtransport fertig organisiert, bevor ich mich umgesehen habe. Wahrscheinlich hätte ich den Kill sowie so nicht geschafft, denn mir ist schlecht, ich habe Durst und ich fühle mich scheiße aber ich hätte für die Entscheidung lieber noch ein paar Minuten gehabt. Egal, zu spät, denn ich werde ruck zuck zurück zum Start gebracht.

Hier in der Herberge ist die Stimmung super. Läufer kommen und bleiben oder gehen wieder. Es herrscht lustiges Leben und Leiden und ich genieße die Atmosphäre. Cool. Außerdem bekomme ich die fetteste DNF-Urkunde aller Zeiten.


Die Kameraden ziehen davon - DNF mit Urkunde


Fazit: tolle Erfahrung! Geiler Lauf, ganz spezielles Feeling, wunderbare Strecke, super Orga! Bestes DNF der Welt.


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